Volkstrauertag am 15. November 2020

Ehrung an den Kriegerdenkmälern durch den Ersten Bürgermeister

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

leider hat uns die Coronapandemie noch fest im Griff, so dass die öffentlichen Gedenkansprachen leider ausfallen mussten.
Da der Volkstrauertag ein wichtiger Bestandteil unseres kulturellen Lebens ist, ist meine Ansprache nachfolgend zu lesen und ist auch als Text am Kranz mit ausgehängt.

 

 

„In den vergangen 6 Jahren habe ich mit meinen Ansprachen zum Volkstrauertag die Wichtigkeit und Bedeutung dieses Mahnmals, was der Volkstrauertag für mich bedeutet, mit vielen geschichtlichen Fakten, Geschehnissen der jüngsten Vergangenheit und Gräueltaten unserer Gegenwart verdeutlicht. Aber leider rückt der Volkstrauertag in unserer Bevölkerung immer weiter in den Hintergrund. Ich selbst empfinde den Volkstrauertag als schwierig.

Schwierig, weil 102 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die Zeitzeugen immer weniger werden, beziehungsweise ganz fehlen. Es verstummen die Stimmen, die aus erster Hand über die Gräuel und Grausamkeiten des Krieges berichteten und aktiv und mit Leidenschaft dafür einstanden, dass es in Deutschland und weltweit keine Alternative zu Frieden gibt, geben darf. Die Lebensberichte von Vater oder Großvater als Wissensvermittlung aus persönlicher Erfahrung für junge Menschen sind verschwunden.

Und doch handelt es sich beim Volkstrauertag nicht um ein verstaubtes Ritual aus einer fernen Vergangenheit. Es geht um mehr, als um eine langweilig gewordene Tradition. Wir erinnern uns heute an die unzähligen Toten der Kriege, von Gewalt, Terror und an die Opfer von Vertreibungen. Wir gedenken nicht nur jener Menschen, die unter den Deutschen während den finstersten Abschnitten unserer eigenen Geschichte gelitten haben, sondern auch all jener, die bis heute unter bewaffneten Auseinandersetzungen, Terror und Folter leiden und an deren Folgen sterben. Dieses Gedenken ist eine menschliche Verpflichtung, keine bloße Erinnerungsveranstaltung im Sinne einer Art Familientreffen von und für vergangenheitsorientierten Alten.

Doch wie kann man vor dem namenlosen Schrecken des Krieges eindringlich warnen? Wie eine Vorstellung für dieses Ausmaß an Leid wecken? Wie unzweifelhaft klar machen, dass Terror und Krieg allen darin Verwickelten grausamen Schaden zufügen? Meiner Meinung nach am besten über nachvollziehbare Beispiele, unter denen sich jeder etwas vorstellen kann. Und es muss eine unverzichtbare Aufgabe von Schulen und Elternhäusern sein, dies zu leisten.

Die beiden Weltkriege auf europäischem Boden forderten eine unvorstellbare Zahl an Opfern. Rund 80 Millionen Tote in mittel- und unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Das sind so viele Menschen, wie Deutschland heute Einwohner hat.

Aktuell gibt es 28 Kriegshandlungen auf unserer Welt, bei denen tausende ihr Leben verlieren, darunter viele Unschuldige und vor allem - Kinder. Der Terror ist nicht nur weit weg von uns, nein, er hat uns in Europa, in Deutschland schon getroffen. Täglich müssen wir Schreckensmeldungen aus den Nachrichten verzeichnen.

Und Sie, ihr, ich, wir alle sind mitten drin in den zum Teil unfassbaren und unsäglichen Entwicklungen in der Welt und vor unseren Haustüren. Ich schäme mich dafür, dass im Deutschen Bundestag frech verkündet wird, dass das Leid und die Gräuel der Nazizeit nur ein Vogelschiss in der deutschen Geschichte seien. Ich bin fassungslos, dass überall in Deutschland zahlreiche sogenannte „Normalbürger“ zusammen mit grölenden Nazis auf der Straße stehen und die Regierung zum Teufel wünschen. Die rechten Parteien bekommen immer mehr Zuspruch. Und das schrecklicher Weise aus allen Schichten und Altersklassen unserer Bevölkerung. Jedes Mal denke ich mir hierbei, kennen diese Menschen unsere eigene Geschichte, die Geschichte unserer Welt? Nein, sie kennen die Geschichte scheinbar nicht, wollen sie nicht kennen und haben nichts gelernt.

Meine Damen und Herren, im Jahre 2020 sind wir mit dem Volkstrauertag in der Realität angekommen. Es betrifft uns direkt vor unserer Haustür.

Dennoch haben wir hier heute die Chance, aus der Vergangenheit und Gegenwart zu lernen. Wir müssen die Vergangenheit und den Volkstrauertag durch den Blick der Gegenwart und in die Zukunft am Leben erhalten! Es ist nicht nur ein Gedenken an die Toten, sondern auch an die Lebenden, die dem gewaltsamen Tod nur knapp entkommen sind!

So möchte ich mit Ihnen den heutigen Volkstrauertag als Mahnmal der Opfer der beiden Weltkriege, der beendeten Konflikte unserer Zeit und der Opfer der aktuellen Krisengebiete, von Gewalt und Terrorhandlungen in unsere Gedanken und Gebete aufnehmen.

Sie dürfen nicht in Vergessenheit oder Gleichgültigkeit geraten. Denn sie, die Toten, mahnen uns an, alles dafür zu tun, dass der Frieden bei uns erhalten bleibt und in den Krisengebieten und Terrororganisationen die verantwortlichen zur Besinnung kommen, damit so rasch wie möglich der Terror auf der Welt, in Europa und auch hier in Deutschland beendet wird.“

 

 

Dirk Rosenbauer
Erster Bürgermeister


Kriegerdenkmal Michelau i.OFr.

Kriegerdenkmal Neuensee

Kriegerdenkmal in Lettenreuth

 

Kriegerdenkmal in Schwürbitz

 

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